Wer am 20.02.2026 das Ateliergebäude des Landeskunstgymnasiums Alzey betrat,
der wurde auf eine Reise mitgenommen, eine Reise in Richtung der Sterne. Unter dem
lateinischen Titel „per aspera ad astra“, zu Deutsch „Durch Mühsal zu den Sternen“,
eröffnete die Abschlussklasse des Landeskunstgymnasiums ihre diesjährige Vernissage und
bewies dabei nicht nur künstlerisches Talent, sondern auch ein besonderes Gespür für
Konzeption und Dramaturgie.
Das Herzstück der Ausstellung ist ihr durchdachter Aufbau: Stockwerk für Stockwerk
entfaltet sich ein Gedankengang, der von den Anfängen menschlicher Kreativität bis hin zur
Unendlichkeit reicht. Im Keller, dem tiefsten Punkt des Gebäudes, beginnt die Reise mit dem
Thema „Ursprung“. Hier sind es Skizzenbücher, Studien und erste Entwürfe, die dem
Besucher einen Blick hinter die Kulissen des künstlerischen Schaffensprozesses gewähren,
etwas Rohes und Ehrliches, das selten zu sehen ist. Im Foyer bricht dann der sogenannte
„Urknall“ los: Die größten und experimentierfreudigsten Werke der Schülerinnen und Schüler
beanspruchen hier den Raum, den sie verdienen, und lassen die Besucher innehalten. Im
ersten Obergeschoss wendet sich die Ausstellung dem „Weltlichen“ zu. Naturgetreue,
emotionale und sozialkritische Arbeiten zeigen, wie aufmerksam die jungen Künstlerinnen
und Künstler ihr Umfeld beobachten und verarbeiten. Ein Stockwerk höher, unter dem Titel
„Kosmos erleben“, geht der Blick nach innen. Werke der Selbstentdeckung, persönliche und
bisweilen intime Auseinandersetzungen mit der eigenen Identität, prägen diesen Bereich.
Den Abschluss bildet das dritte Obergeschoss mit dem Thema „Unendlichkeit“, wo abstrakte
Arbeiten und Filmproduktionen die Vorfreude auf alles Kommende spürbar machen. Selbst
die Treppenhäuser wurden in das Konzept einbezogen und farblich wie thematisch als
Übergänge zwischen den Etagen gestaltet, sodass der Weg nach oben selbst zum Teil der
Ausstellung wird.
Ortsbürgermeister Heiner Illing (SPD) aus Gau-Odernheim zeigte sich beeindruckt von der
Stringenz des Konzepts. Kunst wirke oft weit entfernt und unzugänglich, sagte er, doch die
klare Gliederung der Ausstellung mache sie für jeden Besucher greifbar. Besonders das
Treppenhaus habe ihn als bewusstes Leitelement überzeugt. „Man spürt den Geist dieses
Hauses“, so Illing, „das ist kein Zufall, das ist Haltung.“ Heiko Sippel (SPD), Mitglied des
Kreistags Alzey-Worms, ist nach eigener Aussage kein seltener Gast bei Veranstaltungen
des Landeskunstgymnasiums, und doch lasse ihn die Ausstellung jedes Mal aufs Neue
fasziniert zurück. „Was hier gezeigt wird, ist professionelle Kunst“, betonte er. „Diese
Vernissage ist ein echtes Highlight für die Region und bietet der Öffentlichkeit eine wertvolle
Möglichkeit zur Begegnung mit junger, zeitgenössischer Kunst.“ Für Jugendliche, die selbst
künstlerisch tätig sind, sei es von unschätzbarem Wert zu erleben, was Kunst in der
Gesellschaft bewirken und bedeuten kann. Das Landeskunstgymnasium sei für Alzey etwas
Besonderes, etwas, das weit über die Stadtgrenzen hinaus ausstrahle. Klaus Kübler (SPD)
schließlich brachte es auf den Punkt, als er über den künstlerischen Werdegang der
Schülerinnen und Schüler sprach. Was sie in ihrer Schulzeit geleistet haben, komme in
vielerlei Hinsicht einem Studium gleich, sagte er. „Die Professionalität, die Kreativität, der
Mut zum Ausdruck, das alles in so kurzer Zeit zu entwickeln, das ist schlichtweg Wahnsinn.“
Die Vernissage der 13. Klasse des Landeskunstgymnasiums Alzey ist mehr als eine
Schulausstellung. Sie ist ein Zeugnis dafür, was entsteht, wenn jungen Menschen der Raum
gegeben wird, sich wirklich zu entfalten, vom Keller bis ganz nach oben, Per aspera ad astra.
Esra Kayser

