Tagestrip zur Völklinger Hütte

Die Völklinger Hütte, das ehemalige saarländische Stahlwerk mit wechselvoller Geschichte, ist heute UNESCO Welterbe und ermöglicht seinen Besuchern das Erlebnis alter Industriearchitektur. Sie ist zudem begehrtes Ziel und dankbares Objekt für Künstler und Kunststudierende, man fährt gern hin, um die verwinkelte Anlage zu zeichnen, Filme zu drehen oder andere künstlerische Projekte in der besonderen Umgebung zu realisieren. 

Diese Völklinger Hütte ist auch unser Ausflugsziel am Mittwoch, dem 26. August, dem sogenannten „Kennenlerntag“ an unserer Schule: die 10 K, die 11 K 1 und der 11er Kunst-Leistungskurs des Aufbaugymnasiums füllen genau einen Doppeldecker-Bus, mit dem es eine einigermaßen kurze Fahrt wird, über die Autobahn, vorbei an Kaiserlautern und Saarbrücken.

Die Industrieanlage mit ihren Hochöfen, Kokereien, Gebläsehallen und dem Erzschrägaufzug bietet unseren Sinnen vom ersten Moment an ein Übermaß an Reizen und Erlebnisräumen. Nähert man sich dem Gelände, sehen die Gebäude darauf aus wie ein surrealer, übereinander gestapelter Haufen von Metall- und Betonkörpern, einem bizarren Phantasieschloss gleich, das Computerspielen entsprungen sein könnte. Es hat ein Unmaß von Leitungen und Rohren ausgetrieben, die sich auf seinem Körper und durch ihn hindurch winden, in einem System improvisierter Katheder und Infusionen, schwer zu überblicken – alles ist viel zu komplex, um es mit dem Verstand und dem Auge sinnvoll zu gliedern.

Der erste Blick war überwältigend, aber zugleich erschreckend bei der Vorstellung, dass dort tausende Menschen gearbeitet haben.

Lena T., Schülerin

Auch im Inneren dieses hochinteressanten Monsters weiß man nie, ob man den rechten Weg durch seinen Bauch eingeschlagen hat und sich noch auf der in der Info-Broschüre angezeigten Runde von mehr als sieben Kilometern befindet, oder ob man sich schon im Labyrinth der sich stets gerne gabelnden Korridore für immer verloren hat. Manche dieser Gänge öffnen sich zu weiten, in die Ferne führenden Achsen, andere locken in dunkle Säle und Hallen voller medialer Überraschungen, wie Filmen, Toninstallationen und diversen Lichtarrangements. Ständig wuselt über dem eigenen Kopf ein höchst lebendiges Durcheinander von metallischen Steben und Kabeltrassen, Versorgungsröhren und Balken. Allgegenwärtig der Geruch von Staub, geronnenem Maschinenöl und rostigem Metall. Da stellt sich schnell ein Keller-, Tunnel- oder Geisterbahngefühl ein, aber gerade rechtzeitig steigt man dann plötzlich aus dem Labyrinth heraus über offene Treppen mit schmalen Stahlstiegen steil aufwärts und entkommt in lichte schwindelnde Höhen, auf das oberste Plateau über den Hochöfen, das eine fantastische Aussicht auf Völklingen und seine Umgebung bietet – auch auf das riesige heutige moderne Stahlwerk, das in der Nachbarschaft aktiv ist.

Wir sehen, zeichnen und fotografieren die alte Industriearchitektur, legen unbemerkt viele Meter zurück, schauen uns verschiedenste Ausstellungen auf dem Gelände an. Überall verteilt ist die Kunst: Arbeiten berühmter Künstler wie Christian Boltanski oder Ottmar Hörl, die fest zum Bestand der Völklinger Hütte gehören, und eine große temporäre Präsentation von Werken zur „Urban Art“, deren Spektrum von klassischer Malerei und Objektkunst, Street Art und Medienkunst niemals langweilig wird. Keiner der gezeigten Ansätze ist einem der anderen ähnlich, und besonders spannend ist, wie die Werke die Industieräume bespielen und mit ihnen in Interaktion treten.

Die eher allgemeinbildende Ausstellung zum Thema „Röntgen“ rundet das üppige Angebot ab. Sie ist ein interessantes Sammelsurium rund um das Aufkommen und die technische Verwendung von Röntgenstrahlen auf vielen Gebieten. Sogar die Ergebnisse des Durchleuchtens von historischen Gemälden werden hier eindrucksvoll dargestellt, so dass auch wir angehenden Künstlerinnen und Künstler auf unsere fachlichen Kosten kommen.

Schnell vergeht der Tag, auch die Fahrt zurück nach Alzey dauert gefühlt nur halb so lang wie die Hinreise; man ist zu beschäftigt, die Eindrücke zu verarbeiten und sich darüber auszutauschen.
Und zum gegenseitigen Kennenlernen ist ein solcher Trip nach Völklingen genau das Richtige!

S. Räth